18.10.09
14.10.09
Ein Sprungbrett in die Zukunft – Der createurope Fashion Design Award geht in die zweite Runde.
Für die meisten Nachwuchsdesigner führt der Weg zum eigenen etablierten Modelabel nicht selten über die Teilnahme an Designwettbewerben. Je nach Zielsetzung und Ausrichtung erweisen sich diese oftmals als Brücke zwischen Ausbildung und Grundstein zum ersten eigenen Unternehmen. Teilnamemöglichkeiten gibt es viele, die Kunst liegt darin, aus dem unüberschaubaren Wettbewebsangebot das passende Sprungbrett zur Verwirklichung der eigenen Vorstellungen zu finden.
Mit dem createurope Fashion Design Award pflanzte das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit EUNIC Berlin, der Gemeinschaft der europäischen Kulturinstitute in Berlin, im vergangenen Jahr ein weiteres Angebot in die Fashionaward-Landschaft. Erneut mit der Quelle GmbH als Hauptsponsor im Rücken und Dirk Schönberger, Kreativdirektor von Joop!, als Schirmherr geht der Wettbewerb in diesem Jahr in die zweite Runde.
Wie schon 2008 haben junge Designerinnen und Designer, sowie Modestudenten aus ganz Europa die Möglichkeit, sich innerhalb der viermonatigen Bewerbungsfrist auf einen der Förderpreise zu bewerben. Finanzielle Unterstützung versprechen die Preise nicht, sondern verfolgen vielmehr das ideelle Ziel, „die Kreativszene europaweit nachhaltig zu fördern und zu vernetzen“, heißt es im Pressetext.
So erwartet den Gewinner des „Best Upcoming Designer Awards“ das „Ein-Jahr-Berlin-Paket“: Neben 12 Monaten freier Unterkunft in Berlin, Coaching in Vertrieb, Marketing, Kommunikation und Einkauf auch die Präsentation auf Modemessen, Betreuung durch professionelle Modemacher in Berlin und auf Wunsch die Entwicklung einer eigenen Kollektion für die Quelle GmbH. Der „Best Avantgarde Award“ verspricht sechs Monate freie Unterkunft in Berlin. Der „Best Student Award“ prämiert den Werdegang eines Outfits – von der Skizze, über die Zeichnungen, Stoffproben, Farbmuster bis hin zum fertigen Modell – und ermöglicht dem Gewinner ein vier- bis sechsmonatiges Praktikum in den Abteilungen Design, Marketing, Werbung, Einkauf und Vertrieb bei der Quelle GmbH in Nürnberg. Zusätzlich vergibt das Publikum über ein Online-Voting den „Best Audience Award“, der ein dreimonatiges Praktikum in Village des Créateurs in Lyon umfasst, welches dem Gewinner bei der Entwicklung einer eigenen Kollektion unterstützen soll.
Darüber hinaus werden sämtliche Gewinnerkollektionen in Fotostrecken im Berliner BLANK Magazin präsentiert. Erstmals sind auch Interessierte aus Nordafrika und dem Nahen Osten eingeladen, sich an createurope zu beteiligen, um den „kreativen Austausch auch über europäische Grenzen hinweg anzuregen“, verrät der Pressetext. So genannte Kick-off Events, die an diversen Standorten Europas stattfinden, tragen ihren Teil dazu bei. Im März dieses Jahres z.B. wirkte createurope als Kooperationspartner beim Avantgarde Fashionfestival „Mados Infekcija“ in Vilnius, Lithuania, im Mai beim Modefestival FestiMode in Casablanca, Marocco, wo auch fünf Finalisten des letztjährigen createurope Awards die Gelegenheit hatten, ihre Kollektionen zu präsentieren.
Jüngstes Event ist die Eröffnung des createurope showrooms in Berlin, der Ende Mai mit einer Ausstellung der Arbeiten des dänischen Designers Ulrik Martin Larsen, eines der Finalisten von 2008, eröffnet wurde.
Dass der createurope Fashion Design Award durchaus ein Sprungbrett für die Karriere eines Nachwuchsdesigners sein kann, beweisen die Werdegänge der bisherigen Finalisten: Die drei deutschen bzw. belgisch/deutschen Teilnehmer standen allesamt im Finale des P&C Designer for Tomorrow Awards während der Mercedes Benz Fashionweek Berlin im Januar dieses Jahres. Michael Sontag, den die deutsche Elle kürzlich zum „Überflieger der jungen Nachwuchsszene“ kürte, war darüber hinaus noch bei der Becks Fashion Experience zu sehen. Cem Cako verhalfen die jüngsten Erfolge u.a. zu einem Stipendium an der Akademie der Künste in Neuseeland, wo er Modestudenten des Abschlussjahres unterrichte. Julia Knüpfer – Siegerin des P&C Designer for Tomorrow Awards – ist Teil des im August im Rahmen der Kopenhagen Fashionweek stattfindenden Projekts „Next Generation Bright Green Faschion“. Als Siegerin des createurope „Best Upcoming Designer Award“ 2008 lebt und arbeitet die litauische Designerin Agne Kuzmickaite derzeit in Berlin, um ihre nächste Kollektion zu entwickeln. Lisa Uhlenbock, Gewinnerin der Kategorie „Best Student Award“ absolviert zurzeit ein Trainee im Headquarter der Quelle GmbH in Fürth. Im Mai dieses Jahres war sie Teil der „Fashion Future Now“ Ausstellung im V&A Museum in London, wo ihre Entwürfe noch bis Januar 2010 zu sehen sind.
Publiziert in J'N'C
Mit dem createurope Fashion Design Award pflanzte das Goethe-Institut in Zusammenarbeit mit EUNIC Berlin, der Gemeinschaft der europäischen Kulturinstitute in Berlin, im vergangenen Jahr ein weiteres Angebot in die Fashionaward-Landschaft. Erneut mit der Quelle GmbH als Hauptsponsor im Rücken und Dirk Schönberger, Kreativdirektor von Joop!, als Schirmherr geht der Wettbewerb in diesem Jahr in die zweite Runde.
Wie schon 2008 haben junge Designerinnen und Designer, sowie Modestudenten aus ganz Europa die Möglichkeit, sich innerhalb der viermonatigen Bewerbungsfrist auf einen der Förderpreise zu bewerben. Finanzielle Unterstützung versprechen die Preise nicht, sondern verfolgen vielmehr das ideelle Ziel, „die Kreativszene europaweit nachhaltig zu fördern und zu vernetzen“, heißt es im Pressetext.
So erwartet den Gewinner des „Best Upcoming Designer Awards“ das „Ein-Jahr-Berlin-Paket“: Neben 12 Monaten freier Unterkunft in Berlin, Coaching in Vertrieb, Marketing, Kommunikation und Einkauf auch die Präsentation auf Modemessen, Betreuung durch professionelle Modemacher in Berlin und auf Wunsch die Entwicklung einer eigenen Kollektion für die Quelle GmbH. Der „Best Avantgarde Award“ verspricht sechs Monate freie Unterkunft in Berlin. Der „Best Student Award“ prämiert den Werdegang eines Outfits – von der Skizze, über die Zeichnungen, Stoffproben, Farbmuster bis hin zum fertigen Modell – und ermöglicht dem Gewinner ein vier- bis sechsmonatiges Praktikum in den Abteilungen Design, Marketing, Werbung, Einkauf und Vertrieb bei der Quelle GmbH in Nürnberg. Zusätzlich vergibt das Publikum über ein Online-Voting den „Best Audience Award“, der ein dreimonatiges Praktikum in Village des Créateurs in Lyon umfasst, welches dem Gewinner bei der Entwicklung einer eigenen Kollektion unterstützen soll.
Darüber hinaus werden sämtliche Gewinnerkollektionen in Fotostrecken im Berliner BLANK Magazin präsentiert. Erstmals sind auch Interessierte aus Nordafrika und dem Nahen Osten eingeladen, sich an createurope zu beteiligen, um den „kreativen Austausch auch über europäische Grenzen hinweg anzuregen“, verrät der Pressetext. So genannte Kick-off Events, die an diversen Standorten Europas stattfinden, tragen ihren Teil dazu bei. Im März dieses Jahres z.B. wirkte createurope als Kooperationspartner beim Avantgarde Fashionfestival „Mados Infekcija“ in Vilnius, Lithuania, im Mai beim Modefestival FestiMode in Casablanca, Marocco, wo auch fünf Finalisten des letztjährigen createurope Awards die Gelegenheit hatten, ihre Kollektionen zu präsentieren.
Jüngstes Event ist die Eröffnung des createurope showrooms in Berlin, der Ende Mai mit einer Ausstellung der Arbeiten des dänischen Designers Ulrik Martin Larsen, eines der Finalisten von 2008, eröffnet wurde.
Dass der createurope Fashion Design Award durchaus ein Sprungbrett für die Karriere eines Nachwuchsdesigners sein kann, beweisen die Werdegänge der bisherigen Finalisten: Die drei deutschen bzw. belgisch/deutschen Teilnehmer standen allesamt im Finale des P&C Designer for Tomorrow Awards während der Mercedes Benz Fashionweek Berlin im Januar dieses Jahres. Michael Sontag, den die deutsche Elle kürzlich zum „Überflieger der jungen Nachwuchsszene“ kürte, war darüber hinaus noch bei der Becks Fashion Experience zu sehen. Cem Cako verhalfen die jüngsten Erfolge u.a. zu einem Stipendium an der Akademie der Künste in Neuseeland, wo er Modestudenten des Abschlussjahres unterrichte. Julia Knüpfer – Siegerin des P&C Designer for Tomorrow Awards – ist Teil des im August im Rahmen der Kopenhagen Fashionweek stattfindenden Projekts „Next Generation Bright Green Faschion“. Als Siegerin des createurope „Best Upcoming Designer Award“ 2008 lebt und arbeitet die litauische Designerin Agne Kuzmickaite derzeit in Berlin, um ihre nächste Kollektion zu entwickeln. Lisa Uhlenbock, Gewinnerin der Kategorie „Best Student Award“ absolviert zurzeit ein Trainee im Headquarter der Quelle GmbH in Fürth. Im Mai dieses Jahres war sie Teil der „Fashion Future Now“ Ausstellung im V&A Museum in London, wo ihre Entwürfe noch bis Januar 2010 zu sehen sind.
Publiziert in J'N'C
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09.06.09
03.06.09
Die Barbour Jacke
Nachdem ich die ersten fünf Kapitel von Christian Krachts „Faserland“ gelesen hatte, verspürte ich das dringende Bedürfnis eine Barbour Jacke zu besitzen. Es ist nicht so, dass ich nicht schon davor solche Bedürfnisse verspürt hatte. Um ehrlich zu sein verspüre ich hin und wieder das Bedürfnis, Dinge zu besitzen, die einer Welt angehören, die im Grunde so gar nichts mit der zu tun haben, in der ich lebe. Longchamp-Taschen z.B. Cartier-Uhren (das wobei ich gar keine Uhren tragen) oder Porsches. Für mich ist das eine Art Provokation, die ich sehr genieße.
So würde ich gerne die Barbour Jacke in Berlin Mitte tragen, wo sie so gar nicht hingehört und den Porsche vor meine Kreuzberger Wohnung stellen. Nicht um zu demonstrieren, dass ich es mir leisten kann, um anzugeben z.B., niederen Gefühlen nachzugehen. Nein, um schlichtweg zu provozieren, um ein bisschen Punk zu sein, der Hippie auf der Studentenverbindungsparty.
Vor diesem Hintergrund ist vielleicht auch mein Vergnügen, während meiner Heidelberger Studentenzeit – ich habe in Karlsruhe studiert, aber in der Heidelberger Altstadt, umsäumt von altehrwürdigen Studentenverbindungshäusen gewohnt -, meine Zeit gerne in verbindungsnähe zu verbringen, besser zu verstehen. Es ist nicht so, als hätte ich versucht, irgendwie dazuzugehören – was ja von vornherein ausgeschlossen war – ich wollte einfach nur dabei sein, schauen und in meinem Anderssein akzeptiert werden, ohne Adelstitel, Longchamp-Tasche, Perlenohrsteckern und Barbourjacke. Irgendwann habe ich mir sie dann aber doch gekauft, die Timberland Bootsschuhe, und die Longchampfalttasche – ich besitze mittlerweile zwei – nur die Barbourjacke fehlt noch und die, habe ich beschlossen, werde ich mir nun nach Lesen von „Faserland“ endlich kaufen. Bei ebay, denn alt muss sie sein, abgewetzt, so aussehen, als hätte ich sie schon immer, geerbt von meinem hanseatischen Vater z.B. - ja tatsächlich hat nur mein eingebürgerter Opa die gebürtige Hamburger Linie meines Vaters versaut und in Kombination mit meiner afrikanischen Mutter macht mich das zu weniger als einem Viertel gebürtig hamburgerisch und damit im Grunde gar nicht verbindungstauglich – ok wäre es vielleicht noch käme ich aus Düsseldorf oder München, aber damit habe ich ja noch weniger am Hut.
All dies konnte mich aber nicht davon abhalten, selbst Verbdindungsstudentin zu werden. In Stuttgart! - das stelle man sich einmal vor. Farbentragend, aber ganz ohne Dachverbandbrimborium. Eine Kifferverbindung mit langhaarigen Idealisten, die mit mir zur Begrüßung die Internationale sangen – oder es zumindest versuchten. Nichtsdestotrotz verbrachte ich mein Grundstudium in einem der tollsten (nicht schönsten!) Häuser Stuttgarts, am Hang und konnte von meinem Zimmer aus die ganze Stadt überblicken und zu Fuß zur Uni laufen. Seitdem klebt es mir am Arsch, der Verbindungstum - B., mein Schwager, mein Schwiegervater, mein Bruder... Ich könnte von einem Stiftungsfest ins andere Stolpern, auf Hamburger Fechtböden mit Degen rumfuchteln und mir in Frankfurt die Birne wegsaufen oder eben in Heidelberg der alten Zeiten gedenken und in der Max Bar – die Christian Krachts Romanfigur auch aufsucht – wie früher als ich noch 100m um die Ecke wohnte, den weiteren Verlauf des Abends planen, in die Tangente weiterziehen, vielleicht doch in den Karlstorbahnhof, ins Cave oder zu den Ruperten und dabei ganz herrlich nicht dazugehören.
So würde ich gerne die Barbour Jacke in Berlin Mitte tragen, wo sie so gar nicht hingehört und den Porsche vor meine Kreuzberger Wohnung stellen. Nicht um zu demonstrieren, dass ich es mir leisten kann, um anzugeben z.B., niederen Gefühlen nachzugehen. Nein, um schlichtweg zu provozieren, um ein bisschen Punk zu sein, der Hippie auf der Studentenverbindungsparty.
Vor diesem Hintergrund ist vielleicht auch mein Vergnügen, während meiner Heidelberger Studentenzeit – ich habe in Karlsruhe studiert, aber in der Heidelberger Altstadt, umsäumt von altehrwürdigen Studentenverbindungshäusen gewohnt -, meine Zeit gerne in verbindungsnähe zu verbringen, besser zu verstehen. Es ist nicht so, als hätte ich versucht, irgendwie dazuzugehören – was ja von vornherein ausgeschlossen war – ich wollte einfach nur dabei sein, schauen und in meinem Anderssein akzeptiert werden, ohne Adelstitel, Longchamp-Tasche, Perlenohrsteckern und Barbourjacke. Irgendwann habe ich mir sie dann aber doch gekauft, die Timberland Bootsschuhe, und die Longchampfalttasche – ich besitze mittlerweile zwei – nur die Barbourjacke fehlt noch und die, habe ich beschlossen, werde ich mir nun nach Lesen von „Faserland“ endlich kaufen. Bei ebay, denn alt muss sie sein, abgewetzt, so aussehen, als hätte ich sie schon immer, geerbt von meinem hanseatischen Vater z.B. - ja tatsächlich hat nur mein eingebürgerter Opa die gebürtige Hamburger Linie meines Vaters versaut und in Kombination mit meiner afrikanischen Mutter macht mich das zu weniger als einem Viertel gebürtig hamburgerisch und damit im Grunde gar nicht verbindungstauglich – ok wäre es vielleicht noch käme ich aus Düsseldorf oder München, aber damit habe ich ja noch weniger am Hut.
All dies konnte mich aber nicht davon abhalten, selbst Verbdindungsstudentin zu werden. In Stuttgart! - das stelle man sich einmal vor. Farbentragend, aber ganz ohne Dachverbandbrimborium. Eine Kifferverbindung mit langhaarigen Idealisten, die mit mir zur Begrüßung die Internationale sangen – oder es zumindest versuchten. Nichtsdestotrotz verbrachte ich mein Grundstudium in einem der tollsten (nicht schönsten!) Häuser Stuttgarts, am Hang und konnte von meinem Zimmer aus die ganze Stadt überblicken und zu Fuß zur Uni laufen. Seitdem klebt es mir am Arsch, der Verbindungstum - B., mein Schwager, mein Schwiegervater, mein Bruder... Ich könnte von einem Stiftungsfest ins andere Stolpern, auf Hamburger Fechtböden mit Degen rumfuchteln und mir in Frankfurt die Birne wegsaufen oder eben in Heidelberg der alten Zeiten gedenken und in der Max Bar – die Christian Krachts Romanfigur auch aufsucht – wie früher als ich noch 100m um die Ecke wohnte, den weiteren Verlauf des Abends planen, in die Tangente weiterziehen, vielleicht doch in den Karlstorbahnhof, ins Cave oder zu den Ruperten und dabei ganz herrlich nicht dazugehören.
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06.05.09
Mode ist Geschmackssache
Dass Mode nicht Geschmackssache ist, lerne ich immer wieder aufs Neue, wenn ich bei meiner Oma zu Besuch bin. In dem Moment, in dem ich die Schwelle zu ihrem Zimmer im Seniorenwohnheim übertrete verwandele ich mich von einer jungen Frau, die vielerorts für ihr modisches Gespür bewundert und gelobt wird (eine leichte Übertreibung an dieser Stelle verdeutlicht die Brisanz der Situation) in eine obdachlose Pennerin, mit der man sich auf der Straße nicht sehen lassen kann. Ein Spaziergang mit Gehwägelchen „um den Block“ wird zum Hindernisspacour, durch Hintertüren, über Parkplätze an der verwaisten Raucherecke der Pflegekräfte vorbei auf dem Gehweg am Straßenrand entlang, anstatt wie alle alten Damen und Herren im angrenzenden Gutspark. „In den Müll gehören die ollen Plünnen“- meine Oma weiß Bescheid in Dingen Mode und ich muss meine All Saints Springerstiefel, die ich mit Patina für viel Geld gekauft habe vor ihr verstecken, in ihrer kleinen Wohnung, damit sie nicht auf Hochglanz poliert werden. So plaudere ich fröhlich mit meiner Oma über meine Klamotten, statt über weltbewegend wichtige Dinge, über die man so reden könnte, wenn man als pflichtbewusste liebende Enkelin regelmäßig die Oma besuchen geht. Schön immer, wenn - kaum habe ich das modische Paradies des Seniorenwohnheims meiner Oma verlassen, mit hängenden Schultern und gesenktem depressivem Blick – eine Frau auf mich zutritt und fragt wo ich meine Jacke gekauft habe, so ausgefallen sei die und so schwer zu bekommen sowas hier in der Gegend. Da strahle ich und sage erleichtert „aus Paris ist die und ja, schwer zu bekommen, sowas in dieser Gegend“.
Justin Timberlake
Nach fast 2 ½ stündiger Zugfahrt und mehreren Minuten auf der Zugtoilette (ich war mir nicht sicher ob ich mich jetzt übergeben musste oder nicht) hat es Justin Timberlake letztlich geschafft, mich wieder halbwegs auf den Damm zu bringen. Heute morgen nämlich fand ich eine CD in meinem Briefkasten (JaJa, eine CD!), die ich noch schnell einpackte, während der Taxifahrer schon darauf wartete, meinen Koffer in den dafür vorgesehenen Raum zu packen. Ja, ich habe mir Justins Album Futuresex/Lovesounds bestellt, weil ich die meisten der dort vorhandenen Lieder sehr gerne mag, manchmal – ich schäme mich nicht es zuzugeben! Besonders bei mir zu Hause, bei sommerlichen Temperaturen und geöffneten Fenstern oder beim Autofahren, dass ich sehr liebe, trotz nichtvorhandenen Automobils. Wenn ich es mir recht überlege habe ich recht gewöhnlich Vorlieben. Tanzbare Chartsmusik und das Fahren schneller Autos... Tanzen finde ich auch gut:
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12.10.08
Mode im Zeitalter...
credit: viktor&rolfDie Süddeutsche Zeitung brilliert trotz weniger guter Köpfe nicht unbedingt regelmäßig mit fundiertem Modejournalismus. Besonders der Onlineauftritt der Münchner Publikation lässt bisweilen in punkto Modeberichterstattung deutlich zu Wünschen übrig. Die Rosinen der Unmöglichkeit (z.B. Der Meister und die Models, verdient kritisiert hier) werden hin und wieder von den Damen beim Modepiloten ausgegraben und vorgestellt.

credit: viktor&rolfAn diesem grauen Sonntag aber entdeckte ich im Onlinebeitrag von Johannes Thumfart (der im Übrigen gelegentlich auch für hint schreibt!) ein wenig Sonnenschein, der dort unter dem Titel Abmarsch den langsam schwindenden Zauber der Prêt-à-Porter-Schauen im Zeitalter des Internets untersucht. Für den enthusiastischen Modeblogger bringt Thumfart dort einmal mehr auf den Punkt, was in Kreisen der pickeligen Nerds (!) schön längst Gewissheit ist - alles ändert sich und das Internet ist schuld.
Ganz anders als Kathrin Bierling (aka modejouarnalistin) lese ich allerdings keinen kritischen Unterton heraus, sondern verstehe den Beitrag vielmehr als (objektive) Darlegung von Tatsachen. So ist nicht neu, dass in Modeblogs häufig eine vollkommen andere Art von Modejournalismus praktiziert (wird) als in den großen Magazinen und dass es anstatt um Werbeeinnahmen (...) um Enthusiasmus und um das soziale Kapital in der Szene geht. Eine genauere Erläuterung dazu, was Thumfart aber unter journalistischen Kriterien versteht - die die meisten der Modeblogs nicht erfüllten ("was wohl auch der Tatsache geschuldet ist, dass all dies für vergleichsweise wenig Honorar geschieht" - sorry, das verstehe ich nicht!) - , bleibt er dem Leser schuldig.

credit: viktor&rolfAber genau dort liegt - so finde ich - des Pudels Kern. Auf der anderen Seite bliebe nämlich zu untersuchen, ob denn der herrschende klassische Modejournalismus überhaupt ebensolche, journalistischen Kriterien erfüllt. Meine Frage mag gewagt sein, in einer Zeit, da sich kritisch äußernde Journalisten bestenfalls zur nächsten Show nicht mehr eingeladen werden (s. Cathy Horyn) und im ärgsten Fall Ärger mit dem Anzeigenkunden bekommen oder gar vom Verlag gekündigt werden (ein solcher Fall ist mir bisher nicht bekannt).
Eine stundenlange Hin- und Herdiskussion würde vermutlich in die Frage münden, ob die Modeindustrie überhaupt eine Kritik wünscht. So sind Blogger sicher für jüngere, unabhängige Label eine willkommene günstige Werbefläche - so schreibt ja auch Herr Thumfart -, die Frage aber, ob ein großer Konzern an einem kritisierenden Verriss seiner Kollektionen durch unabhängige Sprachrohre, die nachweislich zunehmend von potentiellen Kunden Gehör finden, interessiert ist, ist offensichtlich zu verneinen. Kann der Konzern dem Verlag mit Werberückzug drohen, steht er dem Blogger mit leeren Händen gegenüber.
Diane Pernet nennt die Konsequenz eine Demokratisierung der Mode, ich spreche in diesem Zusammenhang gern vom Einzug der Modejournalistenpunks, die Thumfart sehr treffend als Dosenbier trinkende extrem Networker beschreibt, die immer jemanden kennen, der ihnen eine Eintrittskarte zu begehrten Shows besorgen kann.
credit: viktor&rolfAber was genau bedeutet das alles eigentlich? Wie bitteschön sieht eine demokratische Mode aus, zu der jeder frei sagen darf was er denkt und deren Tragbarkeit auch offen angezweifelt werden darf? Mir persönlich verursacht der Gedanke daran - so hoffe ich nicht nur mir - eine dicke Gänsehaut! Hebeln Modeblogger letztlich das aus den Angeln, was die Mode im Grunde ausmacht? Individualität, Kreativität, Exklusivität, das ewig Neue und Andere? Oder wird gerade das begünstigt durch ungeniertes Eindringen in ein System, in dem Blogger nicht immer gerne gesehen sind? Wenn die Demokratisierung der Mode durch Blogger weiterhin so Auswüchse wie Andrea Crews gebiert, schreibe ich gerne weiter...
Viktor&Rolf präsentierten ihre Spring/Summer 2009 Kollektion allein online auf einem virtuellen Laufsteg, für jeden gleichzeitig und von überall aus zu sehen. Die hier gezeigten Bilder sind Stills aus dem Videostream. Ich denke nicht, dass das Internet langfristig Modenschauen überflüssig machen wird. Zu groß das Spektakel (!), zu eigenbrödlerisch das Internet. Eine Auseinandersetzung mit dem Zeitgeist durch das Designduo repräsentiert es allemal. Das ganze V&R Video gibt es im Übrigen hier zu sehen.
Abmarsch
Langsam schwindet der Zauber der Prêt-à-Porter-Schauen. Über das Defilee im Zeitalter des Internets.
Von Johannes Thumfart auf sueddeutsche.de, 11.10.2008
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